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Land der Befindlichkeiten

Illustration

Von Andreas Unterberger

Die Volkspartei solle nicht ihre "Befindlichkeiten" zum Problem des Landes machen. Mit diesem Satz ist es den SPÖ-Spin-Doktoren (mit Hilfe von Krone und vielen ORF-Moderatoren) in den letzten Wochen gelungen, die Stimmungslage im Land zu beeinflussen. ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel hat ihnen dabei noch geholfen, als er plötzlich meinte, die Sachfragen eines Koalitionsprogramms wären binnen dreier Wochen lösbar. Das hat überrascht: Denn zwischen Gesamt- und leistungsorientierter Schule, zwischen den zahllosen teuren Versprechungen der SPÖ-Sprecher und einem Schuldenstopp, zwischen Grundsicherung und Arbeitsplatz-Orientierung, zwischen Gratisstudium für jedermann und selbstverantwortlich-wettbewerbsorientierten Unis, zwischen Reform-Fortsetzung und Reform-Rücknahmen liegen doch eigentlich Welten.

Aber bleiben wir bei der Befindlichkeitsfrage: Warum wird die denn nur bei der Volkspartei thematisiert? Wie ist es etwa mit den Befindlichkeiten der rot-grünen Zwillinge, die partout weder mit Blau noch mit Orange wollen? Wie steht es um die Blauen, die eigentlich mit niemandem wollen, vor allem nicht mit Schwarz und Orange? Geht es hier nicht um die gleiche Emotion – "Nein, diese Suppe ess ich nicht!" – wie zwischen Schwarz und Rot?

Vor allem Rot-Grün-Blau tun sich mit der Erklärung schwer, warum gerade diese Kombination nicht möglich sein sollte, warum sie mit tieferen inneren Klüften zu kämpfen hätten als Rot-Schwarz. Immerhin haben diese drei und nicht Rot-Schwarz zuletzt ständig Mehrheiten gebildet: Bei ORF, Abfangjägern und Banken (so dubios in jedem einzelnen Fall auch blieb, was damit bezweckt ist). Es ist geradezu köstlich, wie Blau und Grün nun panische Appelle verfassen, dass um jeden Preis eine große Koalition gebildet werden müsse. Soll dies etwa gar der berühmte Wählerwille hinter den grünen und blauen Stimmzetteln gewesen sein? In Wahrheit wollen beide Parteien nur das Fiasko einer großen Koalition genüsslich auskosten, um bei der nächsten Wahl davon zu profitieren.

Diese Regierungsunfähigkeit der Kleinparteien macht doppelt nötig, was schon allein durch den tiefen rot-schwarzen Zwist klar indiziert ist: ein Mehrheitswahlrecht (auch auf Kosten der Kleinen), das immer für arbeitsfähige Regierungen sorgt.

Printausgabe vom Dienstag, 07. November 2006
Update: Montag, 06. November 2006 17:51:00


Kommentare zum Artikel:

07.11.2006 18:05:17 Dr.
Bin sehr dankbar, dass endlich auch aufgezeigt wird, wie unverständlich es ist, dass Grün und Blau akzeptierter Weise ihre Beteiligung an einer Regierung verweigern dürfen, während die OVP geprügelt wird, weil sie das Diktat der Roten ablehnt. Auch zwischen Rot und Schwarz liegen "Welten" bzw. gibt es wenig gemeinsame Schnittstellen - es ist ja die Kunst des Regierens darüber hinweg zu kommen. Auch verstehe ich nicht wirklich, wieso aus dem Wahlergebnis zwingend der Wunsch nach einer großen Koalition abzulesen ist.
Maria Hackl - Seedoch
07.11.2006 14:37:57 Unterbergers Treue bis zum tragischen Ende
@imperator augustus
"mann mit so wenig kompetenz und so eigenartigen und parteiischen komentaren einmal chefredakteur der altehrwürdigen presse und später der des staatsblattes werden konnte"
=> Ausgedinge durch Schüssels Gnaden eben

"und das ganze in der vergangenheit mehr oder weniger gut funktioniert hat, sollten zunächst die personen ausgetauscht werden, bevor man an die regeln geht"
=> Genau das ist der Punkt, aber mit Scheuklappen ist das Blickfeld eben sehr beschränkt.

@Otto: Sie haben meine ehrliche Anerkennung für Ihre tägliche Ration Unterberger und der notwenigen Erwiderung darauf! Verblendeten Fundamentalisten soviel Energie entgegen zu bringen finde ich bemerkenswert. DAnke!
FlowErleben
07.11.2006 10:42:22 Land der Befindlichkeiten
Die ÖVP hat sich nach der Beschlussfassung der anderen im Parlament vertretenen Parteien zur Einrichtung von Untersuchungsausschüssen gegen ihre massgebelichen Regierungsmitglieder von Koalitionsverhandlungen zurückgezogen. Darüber geben sich die erstgenannten Pareteien erstaunt und entrüstet. Wenn man aber bedenkt, dass ein Unteruschungsausschuss gegen ein Regierungsmitlied Ausdruck des Misstrauens in seine Amtsführung ist, wäre seine Beteiligung an einer neuen Regierung ausgeschlossen. Ich behaupte daher, dass es die Absicht der SPÖ war, die ÖVP in einen Kessel zu treiben,um sie dort zu schlachten. Wären die SPÖ-Politiker über die Reaktion der ÖVP tatsächlich erstaunt, wären sie wegen Dummheit von Regieren auszuschliessen. Sie wissen jedoch, was sie tun, und betrügen schamlos das Volk, dem die Gegenreformation das kritische Denken ausgetrieben hat!
Dr.Otto Ludwig Ortner
07.11.2006 12:06:04 Bravo und Danke
Endlich getraut sich ein Publizist von Rang, für das einzig vernünftige Wahlrecht einzutreten, das es im demokratischen Spektrum gibt. Klare Mehrheiten, aber auch klare Abwahl(en) bei Misserfolgen. Danke für Ihre eindeutige Position.
Harald Rassl
Wien I
Harald Rassl
07.11.2006 10:42:20 Land der Befindlichkeiten
Die ÖVP hat sich nach der Beschlussfassung der anderen im Parlament vertretenen Parteien zur Einrichtung von Untersuchungsausschüssen gegen ihre massgebelichen Regierungsmitglieder von Koalitionsverhandlungen zurückgezogen. Darüber geben sich die erstgenannten Pareteien erstaunt und entrüstet. Wenn man aber bedenkt, dass ein Unteruschungsausschuss gegen ein Regierungsmitlied Ausdruck des Misstrauens in seine Amtsführung ist, wäre seine Beteiligung an einer neuen Regierung ausgeschlossen. Ich behaupte daher, dass es die Absicht der SPÖ war, die ÖVP in einen Kessel zu treiben,um sie dort zu schlachten. Wären die SPÖ-Politiker über die Reaktion der ÖVP tatsächlich erstaunt, wären sie wegen Dummheit von Regieren auszuschliessen. Sie wissen jedoch, was sie tun, und betrügen schamlos das Volk, dem die Gegenreformation das kritische Denken ausgetrieben hat!
Dr.Otto Ludwig Ortner
07.11.2006 10:41:49 _
Mehrheitswahlrecht riecht für mich Ständerstaat, und ich habe lange begriffen, dass es ist dorthin, wo Herr Unterberger will. Ein Mehrheitswahlrecht schafft zwar Mehrheiten aber keine demokratischen Mehrheiten.
Was nun erforderlich ist, ist dass die Parteien sich der Wählerwille unterwerfen und nur so viel zu sich nehmen, wie die Wähler sie zukommen lassen.
H Lundén, Vallentuna, Schweden.
H Lundén
07.11.2006 09:39:34 Schlimm genug,
dass eine ÖVP mit W. Schüssel niemals dezitiert ausgeschlossen hat mit einer Strache FPÖ, und den damit verbundenen ausländerfeindlichen Wahlkampf, eine Koalition einzugehen. Aber nun sollen die Grünen und die SPÖ entgegen ihren Aussagen vor dem Wahlkampf so etwas tun?! Ich bin mir ziemlich sicher, dass kein Grüne bzw SPÖ-Wähler so etwas für sinnvoll hält, die Umfragen bestätigen es ja zudem, dass die Österreicher die große Koaltion wollen (soviel zum unbekannten Wählerwillen).
Aber zur Entscheidung der ÖVP wegen der U-Ausschüsse die Verhandlungen einzustellen kann man nur Pühringer zitieren(Kurzfassung):"Wenn man die Verhandlungen wegen solcher Sachen einstellt, würde man den Verdacht erregen, dass man was zu verbergen hat!"
Otto
07.11.2006 07:49:04 3 Wochen Verhandlungsdauer?
S.g. Hr.Unterberger
Es scheint als würden Sie auch schon an selektiver Wahrnehmung leiden. Es ist doch sicher richtig dass die Sachfragen in 3 Wochen LÖSBAR wären aber nicht sicher ob das mit der SPÖ möglich ist. Ein kleiner Unterschied aber nicht ganz unwesentlich. Am Rande möchte ich noch anmerken dass ich niemand kenne der wegen der Dauer der Regierungsbildungsverhandlungen auch nur im Geringsten ungeduldig wird. Im täglichen Leben braucht man die Regierung eher selten und wenn die rot/grün/blau/gelben Politiker schon mit den Hufen scharren weil sie zum Futtertrog wollen interessiert das "die Menschen in Österreich" überhaupt nicht.
Ing.Stefan Lagadyn
07.11.2006 05:18:42 Land der Befindlichkeiten
A.U. trifft wie immer den Nagel auf den Kopf!
Es ist unglaublich, wie unverfroren sich ORF und Krone alleine auf die Befindlichkeit der ÖVP konzentriert und alle annderen Parteien in ihren nicht nachvollziehbaren Festlegungen gewähren lässt. Wozu benötigt ein kleines Land wie Österreich 5 Parteien, wenn 3 von ihnen grundsätzliche Arbeits-Koalitionen ausschließen? Zur destruktiven Oppostion zum Zwecke der eigenen Stimmenmaximierung in der Zukunft werden Allianzen eigegangen, auch wenn die Farben da nicht passen, der Zweck heiligt da die Mittel. Wie durchschaubar, hinterfotzig und dem Gemeinwohl wenig dienlich!
Dringend wird ein Mehrheitswahlrecht benötigt! Grün, Blau und Orange sind lediglich politische Parasiten in unserer Landschaft, die mit treuherzigem Augenaufschlag "Misstände" aufzeigen und kritisieren wollen und dabei davon gut leben!
Plinzer
07.11.2006 01:04:14 mehrheitswahlrecht
und täglich fragt man sich bei der lektüre von unterbergers ergüssen, wie ein mann mit so wenig kompetenz und so eigenartigen und parteiischen komentaren einmal chefredakteur der altehrwürdigen presse und später der des staatsblattes werden konnte. insbesondere die argumentation zum merheitswahlrecht ist an dummheit nicht mehr zu übertreffen. mit der gleichen begründüng könnte man eine konzentrationsregierung fordern, die dem wünschen der österreicher wesentlich näher ist, als ein mehrheitswahlrecht und die in den meisten bundesländern auch praktiziert wird - auch wenn auch das ein demokratiepolitischer schwachsinn wäre. da wir das parlament wählen und nicht die regierung und alle gesellschaftlich relevanten gruppen dort vertreten sein sollen, und das ganze in der vergangenheit mehr oder weniger gut funktioniert hat, sollten zunächst die personen ausgetauscht werden, bevor man an die regeln geht.
imperator augustus
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